
ePortfolios an der TU Hamburg-Harburg eingeführt
Nach einer knapp zweijährigen Entwicklungs-, Programmierungs- und Testphase im Projekt studIPort 2.0 wurde im April 2010 auf der Lernplattform Stud.IP der Technischen Universität Hamburg-Harburg (TUHH) die ePortfolio-Funktion für alle Lehrenden und Studierenden freigeschaltet.
"Mit dem ePortfolio geben wir allen Studierenden die Möglichkeit, Bilanz über die im Studium erworbenen Leistungen zu ziehen, wann immer gewünscht und unabhängig von Fach und Benotung", sagt Corinna Peters vom Institut für Telematik. Die wissenschaftliche Mitarbeiterin gehört wie Detlev Bieler von der Bibliothek sowie Olav Wilde vom Rechenzentrum zum Beraterteam für das ePortfolio und eLearning an der TUHH. Was kann ich schon? Wo liegen meine Stärken als angehende/r IngenieurIn? Wo muss ich mich im Studium noch stärker engagieren? Dafür will das ePortfolio das Bewusstsein schärfen – nicht nur fachlich in den Ingenieurwissenschaften, sondern auch in den sogenannten Soft Skills. Die angehenden Ingenieure unterschätzen noch zu oft den Stellenwert sozialer Kompetenzen. Die Fähigkeit zur Kommunikation, Teamarbeit und Präsentation aber sind später im Beruf von größter Bedeutung.
Im ePortfolio lässt sich, thematisch geordnet und strukturiert, zusammentragen, was angehende IngenieurInnen auszeichnet. So finden sich auf der Einstiegsseite die Rubriken "Schule & Studium", "Beruf & Praktikum", "Freizeit & Ehrenamt" und diesen zugeordnet die Qualifikationen: spezielles Fachwissen, fachübergreifende Kenntnisse, Lern- und Arbeitsmethoden, Kooperation und Kommunikation, unternehmerische Kompetenzen, weitere Schlüsselkompetenzen, Produktplanung und -realisierung. So können ePortfolio-NutzerInnen zu jedem dieser Felder eigene Dokumente und selbst verfasste Beiträge hinzufügen.
"Ziel ist, einen detaillierten Überblick über das eigene Schaffen an der TUHH zu erhalten", sagt Christian Renner, der das neue Plugin technisch entwickelt hat. Am Anfang des Studiums dient das ePortfolio als Orientierungshilfe, während des Studiums als fortlaufende Standortbestimmung, und später im Berufsleben als ein Mittel zur Außendarstellung. Denn aus den individuellen Informationen des ePortfolio lässt sich jederzeit eine elektronische Bewerbungsmappe erstellen. Wer regelmäßig mit dem ePortfolio arbeitet, hat jederzeit abrufbereite Bewerbungsunterlagen.
Der Vorteil gegenüber der herkömmlichen Papierform liegt auch darin, dass BewerberInnen ihr Wissen, ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten in unterschiedlichen Medienformen darstellen können – als Bild, Text, Präsentation oder Videofilm. Den Umgang mit dem neuen elektronischen Instrument der Selbstbeurteilung kann jeder schnell erlernen. Für den problemlosen Umgang sorgen nicht zuletzt eine ausführliche Hilfe und ein Beispiel-ePortfolio.
"Ein wichtiger Punkt war dabei der Datenschutz", erinnert Corinna Peters. "Einerseits muss die private Nutzung gewährleistet sein, andererseits soll aber auch der Austausch mit KommilitonInnen, Studienfachberatern und Lehrenden ermöglicht werden." Um beispielsweise Feedbacks einzuholen oder Gespräche vorzubereiten, lassen sich ausgewählte Teile oder das gesamte ePortfolio gezielt freigeben und mit Fragen verknüpfen.
An der Entwicklung des ePortfolios waren außer dem Institut für Telematik maßgeblich auch das Institut für Technik, Arbeitsprozesse und Berufliche Bildung (iTAB) sowie das Rechenzentrum und die Bibliothek der Technischen Universität beteiligt. Personen- statt veranstaltungsbezogen konzipiert, ohne Tests, Aufgaben und Benotung und darüber hinaus freiwillig in der Teilnahme, ist das ePortfolio eine innovative Erweiterung des jetzigen eLearning-Angebots der TUHH, zumal es den Teilnehmenden auch nach dem Studium weiter zur Verfügung stehen wird. An einer Lösung, die einen späteren Datentransfer sowie den Einsatz an anderen Hochschulen ermöglichen soll, wird bereits gearbeitet. „Mit diesem Angebot, das lebenslanges Lernen unterstützt, so wie es im Bologna-Prozess gefordert wird, sind wir eine der wenigen Vorreiter-Hochschulen in Deutschland", sagt Thomas Czerwionka, ebenfalls wissenschaftlicher Mitarbeiter im Projekt. „Wir sind nun sehr gespannt, wie das ePortfolio an der TUHH von den Studierenden angenommen und sich entwickeln wird.”
(Auszüge aus der TUHH-Pressemitteilung vom 12.05.2010)
Die Aufzeichnung des Vortrags von Thomas Czerwionka über ePortfolios an der TUHH, gehalten auf der Campus Innovation 2009, ist hier online abrufbar.
Weitere Informationen:
http://cgi.tu-harburg.de/~elti5www/blog
http://www.tu-harburg.de/e-learning